Quietschende Bremsen und plötzlich: krach! Egal, ob du kurz mal nicht aufgepasst hast oder andere Verkehrsteilnehmende schuld sind – ein Autounfall kann uns allen schnell passieren. Doch was tun, wenn es wirklich mal knallt? Wir zeigen dir, wie du einen klaren Kopf behältst und richtig vorgehst.
Richtiges Verhalten beim Autounfall – so geht's
Nach einem Unfall geht es nicht nur darum, sich selbst und andere zu schützen, sondern auch darum, den Schaden richtig zu dokumentieren und finanzielle Folgen so gering wie möglich zu halten – sowohl als Geschädigter als auch als Verursacher. Damit du genau weißt, was zu tun ist, findest du hier die wichtigsten Maßnahmen im Überblick.
Unfallstelle absichern
Nachdem es gekracht hat, sitzt der Schock erst mal tief. Doch gerade jetzt ist es wichtig ruhig zu bleiben und überlegt zu handeln. Schalte sofort deine Warnblinkanlage an, um andere Verkehrsteilnehmende zu warnen. Zur eigenen Sicherheit ziehst du dir im Anschluss eine Warnweste an. Falls es die Situation erlaubt, stellst du außerdem ein Warndreieck auf. Wichtig dabei ist, dass du dich selbst nicht in Gefahr bringst und nach Möglichkeit immer hinter der Leitplanke oder am Straßenrand bleibst.
Empfohlene Abstände zwischen Warndreieck und Fahrzeug:
- Innerorts: 50 Meter
- Landstraße: 100 Meter
- Autobahn: 150-400 Meter
Polizei rufen – ja oder nein?
Nicht bei jedem Unfall muss zwingend die Polizei eingeschaltet werden. Es sei denn, es gibt Verletzte oder größere Sachschäden, Fahrzeuge sind nicht mehr fahrbereit oder es wurden Leitplanken und Co. beschädigt. Zeigt sich eine beteiligte Person uneinsichtig und flüchtet sogar, oder ihr seid euch über die Schuldfrage nicht einig, dann sollte sie ebenfalls dazugerufen werden.
Bei Bagatellschäden reicht es oft auch aus, den Unfall selbst zu dokumentieren und mit dem Unfallgegner eine Schadensregulierung ohne die Polizei zu klären. Doch Vorsicht: Wenn der Unfallgegner auf eine „private Einigung“ besteht, aber später Ansprüche stellt, kann es problematisch werden. Deshalb bist du mit einer offiziellen Dokumentation durch die Polizei immer auf der sicheren Seite.
Viele Versicherungen verlangen bei bestimmten Schäden eine polizeiliche Aufnahme, damit Streitigkeiten erst gar nicht aufkommen. Kontaktiere deine Versicherung am besten noch vor Ort, um zu klären, ob das nötig ist.
Erste Hilfe leisten
Wenn bei einem Autounfall nicht nur Sachschäden verursacht, sondern auch Menschen verletzt werden, zählt jede Sekunde. Auch wenn du dich unsicher fühlst, gilt: Jede und jeder kann helfen – und muss es auch! In Deutschland gibt es eine gesetzliche Erste-Hilfe-Pflicht. Das heißt, wer einfach weiterfährt und nichts unternimmt, macht sich strafbar.
So wichtig Erste Hilfe auch ist – in manchen Fällen kann es riskant sein, zu helfen. Von brennenden Fahrzeugen und gefährlichen Chemikalien solltest du dich unbedingt fernhalten. Auch bei hohem Verkehrsaufkommen, z. B. auf der Autobahn, gilt: Die eigene Sicherheit geht vor. Alarmiere die Rettungskräfte und warte, bis sie eingetroffen sind.
Sie beschreibt den Ablauf von Erste-Hilfe-Maßnahmen bis zur Übergabe an die Rettungskräfte.
- Absicherung der Unfallstelle.
- Notruf absetzen und Unfall melden (112 für Rettungsdienst und Feuerwehr, 110 für Polizei).
- Erste Hilfe leisten (Verletzte betreuen, lebensrettende Sofortmaßnahmen).
- Rettungsdienst unterstützen (Unfallhergang schildern, Anweisungen befolgen).
Bist du vom Unfall glücklicherweise verschont geblieben, steckst deswegen aber im Stau? Dann solltest du unbedingt eine Rettungsgasse bilden, um Rettungsfahrzeugen nicht im Weg zu stehen. Sie ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben und kann im Ernstfall Leben retten. Hältst du dich nicht daran und blockierst sie, kannst du mit hohen Bußgeldern und Punkten in Flensburg rechnen.
Unfall richtig dokumentieren
Ist die Unfallstelle gesichert und sind alle Beteiligten in Sicherheit gebracht bzw. versorgt, geht es darum, den Unfall richtig zu dokumentieren. Bist du hier sorgfältig, kannst du mögliche Streitigkeiten mit deiner Versicherung oder anderen Beteiligten vermeiden.
Fotos vom Unfallort machen
Egal, ob mit deinem Smartphone oder einer Kamera – halte den Unfallort unbedingt aus verschiedenen Perspektiven in Form von Fotos fest. Vergiss dabei nicht, gute Nahaufnahmen der Fahrzeugschäden zu machen und, sofern die beschädigten Autos noch nicht bewegt wurden, ihre genaue Position festzuhalten. Auch ein kurzes Video kann zusätzlich helfen, den Unfall noch besser zu dokumentieren.
Unfallbeteiligte und Zeugen notieren
Um spätere Unklarheiten vorzubeugen, schreibst du dir die wichtigsten Daten aller Beteiligten auf. Dazu zählen neben Name, Adresse und Telefonnummer auch die Versicherungsdaten sowie die Kfz-Kennzeichen und Fahrzeugmodelle. Gibt es Zeugen, die den Unfall beobachtet haben, dann notierst du dir am besten auch ihre Kontaktdaten.
Ziemlich ärgerlich nur, wenn sich der Unfallgegner weigert, seine Daten herauszugeben oder sogar falsche Angaben macht. In so einem Fall solltest du auf jeden Fall die Polizei hinzuziehen.
Europäischer Unfallbericht: Was ist das und wie füllt man ihn aus?
Ein Formular, das am besten in jedem Handschuhfach liegen sollte: der europäische Unfallbericht. Er wird länderübergreifend anerkannt und von vielen Versicherungen kostenlos bereitgestellt.
Was ist zu tun? Trage einfach alle Angaben sorgfältig und vollständig ein. Da die Versicherung die Schuldfrage klärt, kreuzt du nur das an, was objektiv passiert ist. Im Unfallbericht geht es also nur um Fakten, die Angaben stellen damit kein Schuldeingeständnis dar. Wichtig zu wissen: Er muss von allen Beteiligten ausgefüllt, mit einem Datum versehen und unterschrieben werden.
Hast du keinen Unfallbericht zur Hand, dann reicht auch eine handschriftliche Notiz mit allen relevanten Informationen.
Welche Versicherung übernimmt welchen Unfallschaden?
Nach einem Unfall möchtest du den Schaden melden und stellst dir vielleicht die Frage „Wer kommt dafür auf?“ Kurze Antwort: Das hängt von der Art des Unfalls, der Schuldfrage und der bestehenden Versicherungspolice ab. Damit du einen besseren Überblick hast, stellen wir dir im Folgenden drei relevante Autoversicherungen vor.
Kfz-Haftpflichtversicherung
Der Haftpflichtschutz ist gesetzlich vorgeschrieben und kommt für Schäden auf, die von dir an anderen Fahrzeugen, Personen oder Gegenständen verursacht wurden. Eigene Schäden am Fahrzeug sind nicht von der Haftpflichtversicherung abgedeckt.
Von ihr übernommen werden unter anderem die Reparaturkosten für das Fahrzeug des Unfallgegners, Personenschäden (einschließlich Behandlungskosten, Schmerzensgeld und Verdienstausfall) sowie Sachschäden wie beschädigte Verkehrsschilder oder Leitplanken.
Falls du den Unfall gebaut hast, musst du die Reparaturkosten an deinem Fahrzeug selbst tragen – es sei denn, sie werden von einer Kaskoversicherung übernommen.
Teilkaskoversicherung
Diebstahl, Einbruchschäden, Blechschäden durch Hagel oder Wildunfälle – sie alle werden von der Teilkaskoversicherung getragen. Sie deckt also all die Versicherungsschäden ab, die unverschuldet an deinem Auto entstanden sind.
Vollkaskoversicherung
Bestens geschützt bist du mit einer Vollkaskoversicherung. Sie übernimmt zusätzlich zu den Leistungen der Teilkasko auch selbstverschuldete Unfallschäden am eigenen Fahrzeug. Doch auch für Schäden durch Vandalismus oder Fahrerflucht springt sie ein, wenn der Verursacher nicht ermittelt werden kann.
Du weißt nicht genau, ob die Vollkasko sinnvoll für dich ist? Hast du einen Neuwagen oder ein hochpreisiges Fahrzeug, lohnt sie sich auf alle Fälle, da Reparaturen oder ein Ersatz hohe Kosten mit sich ziehen können. Auch in Verträgen von Leasing- oder finanzierten Fahrzeugen ist sie häufig vorgeschrieben. Bist du oft mit deinem Auto unterwegs? Auch dann lohnt sich die Vollkaskoversicherung, da in dem Fall das Unfallrisiko steigt. Ebenfalls solltest du sie in Betracht ziehen, wenn dein Fahrzeug regelmäßig in Gegenden mit einer hohen Diebstahl- und Vandalismusgefahr abgestellt wird.
Ob sie sich langfristig lohnt, hängt auch von der Wertminderung deines Fahrzeugs ab. In der Regel wird sie für Fahrzeuge bis zu einem Alter von fünf Jahren empfohlen. Danach kann man sich einen Wechsel zur günstigeren Teilkaskoversicherung überlegen.
Zusätzliche Leistungen: Welche Optionen sind sinnvoll?
Neben Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko gibt es weitere Zusatzleistungen, die für dich in bestimmten Situationen vorteilhaft sein können:
- Schutzbrief: Übernimmt die Kosten für Pannenhilfe, Abschleppdienst oder Mietwagen, falls dein Fahrzeug nicht mehr fahrbereit ist.
- Rabattschutz: Schützt vor einer Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse nach einem Unfall.
- GAP-Versicherung: Sinnvoll für Leasingfahrzeuge, da sie die Differenz zwischen dem Wiederbeschaffungswert und dem offenen Finanzierungsbetrag ausgleicht.
- Verkehrsrechtsschutz: Deckt die Anwalts- und Prozesskosten bei Streitigkeiten im Straßenverkehr.
Nicht jede dieser Zusatzleistungen ist in jedem Fall notwendig. Wenn du beispielsweise selten lange Strecken fährst und überwiegend in der Stadt unterwegs bist, dann ist ein Schutzbrief möglicherweise weniger nötig. Es hängt also ganz von deinem eigenen Bedarf ab, für welche du dich entscheidest.
Auch wenn wir dir die Daumen drücken, dass du von einem Verkehrsunfall verschont bleibst, bist du mit diesen Tipps zumindest für den Ernstfall gewappnet.
Eine Sache noch: Ich arbeite beim KFZ-Gutachter, die Versicherungen versuchen fast immer, die Schadenssumme zu drücken und zahlen weniger, daher ist es auch wichtig, einen Gutachter einzuschalten. Die Kosten dafür übernimmt auch die gegnerische Versicherung! Falls die Versicherungen zicken, kann der Gutachter eine Stellungnahme schreiben, meist werden die Kosten dann doch anerkannt.
Im Zweieisfall zum Anwalt...
Mir ist mal eine Dame bei Schritttempo an den Vorder Reifen gefahren. Der Schaden sah harmlos aus, aber die Reparatur kostete fast 5000 Euro.
Ein Sachverständiger wird, nach meiner Erfahrung, immer dazu gezogen.
Viperside
Am besten nie ohne Dashcam fahren/ Parken. Hatte bereits 2 Unfälle die ohne Dashcam zu meinen Lasten gegangen wären.
Beidesmal hat sich die Polizei gefreut über die Filme.
Einmal ging es bis vors Gericht und der Richter war sehr dankbar für den Film, so konnte die Aussage des Gegners eindeutig widerlegt werden.
Sie muß nicht teuer sein, aber am besten nach vorne und hinten Filmen.
Die gängigen Dashcam Kanäle machen hier regelmäßig Tests und geben Empfehlungen (DDG, Sascha Fahrnünftig,... Bei Youtube)
Außerdem am Unfallort niemals irgendwas vom Gegner unterschreiben ‼️